Kleidung des Königs im Alten Ägypten – Insignien, Symbolik und Herrschaftsdarstellung


Dieses Prunkgewand eines Prinzen beweist eindrucksvoll, dass das plissierte Wickelgewand – die Kalasiris – im Neuen Reich keineswegs nur der Damenwelt vorbehalten war. Die mächtigsten Männer Ägyptens nutzten exakt dieselben kostbaren Stoffe und Drapiertechniken, um ihren Status zu demonstrieren.

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J. P. Adolf Erman (1854-1937), Public domain, via Wikimedia Commons


Die Hoftracht der Pharaonen und des Adels



Die Kleidung des Königs im Alten Ägypten unterschied sich in der ältesten Epoche der Geschichte im Grunde kaum von jener des einfachen Volkes. Erst die Krone, das Szepter und die charakteristische Jugendlocke der Prinzen dienten als sichtbare Zeichen der Erhabenheit. Mit dem Wandel der Zeit hoben sich der Herrscher, seine Familie und die Hoftracht des Adels jedoch zunehmend durch die Pracht und den Luxus ihrer Stoffe vom Volk ab, selbst wenn die Grundschnitte der Gewänder ähnlich blieben.


Der Wandel des königlichen Schurzes


Im Alten Reich trugen die Könige und Prinzen den Schurz noch in jener schlichten Form, wie sie auch dem gemeinen Mann eigen war; die Brust, die Arme und die Beine blieben nackt. Kaum jemals verzichteten sie dabei jedoch auf den prachtvollen Schulterkragen. So erschienen die Herrscher im Krieg wie auch im Tempel.
In späteren Epochen, insbesondere im Neuen Reich, hielt das feine Hemd Einzug in alle feierlichen Handlungen. Nun präsentierten sich Könige, Prinzen und höchste Hofbeamte – wie etwa die Würdenträger der Fächerträger – in langen, edlen Gewändern, die von den Hüften bis hinab zu den Knöcheln reichten. Die Brust wurde dabei mit einer langen Bahn aus feinstem, weißem Stoff bedeckt, die man so geschickt um den Oberkörper legte, dass sie zugleich die Ärmel des Gewandes formte.
Ein ganz besonderes, auf zahlreichen Königsbildern überliefertes Kleidungsstück der Pharaonen war ein enganliegender Prachtschurz. Dieser lief auf der Vorderseite halbkreisförmig nach oben und wurde von einem goldfarbenen Metallgürtel gehalten. In der Mitte dieses Gürtels thronte ein großer, blau-goldener Knopf, an dem eine markante, dreieckige Schurzplatte aus Metall befestigt war. Diese Platte, die oft auch aus feinstem Leder oder farbigem Leinen gefertigt wurde, war in den Farben Blau, Rot und Gold gehalten, spitzenartig ausgearbeitet und hing dekorativ nach unten. Der Pharao trug dieses repräsentative Gewand bereits um 1600 v. Chr. sowohl bei häuslichen Beschäftigungen als auch im Krieg und beim Opferdienst.



Die sakrale Insignienmacht und der Uräus




Trat der König bei religiösen Zeremonien auf, erschien er entweder barhäuptig oder im monumentalen Pschent – der glanzvollen Vereinigung der beiden Kronen Ägyptens. Die weiße Krone Oberägyptens (die Het) glich einer hohen Tiara mit runder Spitze, während die rote Krone Unterägyptens aus einem handbreiten Ring bestand, der sich hinten zu einem steilen Nackenschild erhob. Bei der Vereinigung der beiden Landteile unter einem Zepter wurde der rote Ring einfach um den unteren Teil der weißen Tiara gelegt, wobei sein Nackenschild hinten spitz nach oben ragte.
Das wichtigste und mächtigste Zeichen der königlichen Gewalt an dieser Krone war der Uräus: Eine sich aufbäumende Viper mit einem Geierkopf, oft mit farbigem Schmelz verziert. Sie symbolisierte die pharaonische Macht über Leben und Tod. Dieses heilige Zeichen war so allgegenwärtig, dass es sich nicht nur an der Stirn oder dem unteren Rand der Krone fand, sondern auch an der Bartflechte, im Haarschmuck, an den Gürteln oder im symbolischen Kopfputz aus Federn und Lotus. Schloss der Pharao sich mit allen seinen Symbolen und Machtzeichen, fanden sich sogar auf den Schultern weitere Uräen. Selbst die Königinnen und Prinzessinnen trugen die Schlange stolz auf der Stirn oder als Endstück an ihren herabhängenden Locken.
Wie puristisch diese Anfänge waren, zeigt die älteste Darstellung der ägyptischen Kleidung an der Figur des prädynastischen Königs Narmer um 3407 v. Chr. Er trug die weiße Krone Oberägyptens, kombiniert mit einem schlichten Mieder, das von einem einzigen Träger gehalten wurde. Seinen einfachen Schurzgürtel zierte ein Anhänger, der an seiner Oberseite das Antlitz der Göttin Hathor zeigte. Am Kinn des Königs war zudem der künstliche, zeremonielle Königsbart befestigt, dessen Riemen unsichtbar unter der Krone Halt fanden.


Die Handhabung des königlichen Schulterkragens


Auch den breiten Schulterkragen wusste der Pharao auf raffinierte Weise zu nutzen, um eine kleidsame Wirkung zu erzielen: Man legte ihm den Kragen von hinten über die Achseln nach vorne und fasste ihn auf der Brust mit einer kostbaren Spange oder Agraffe zusammen. Anschließend führte man die beiden Teile wieder nach hinten über die Achseln zurück und zog die Enden unter den Armen hindurch, um sie im Gürtel zu fixieren. Auf diese Weise entstand optisch die elegante Form von Ärmeln.
Zu seiner ständigen Ausstattung gehörte zudem eine breite Leibschärpe aus vergoldetem Leder, die der Pharao selbst im Kampf nicht ablegte. Ihr unterer Rand war überreich mit kleinen Uräen und farbigen Schmelzarbeiten verziert. Seitlich ergänzten rote und braune Schmuckbänder, die sich nach außen hin verjüngten, diese Schärpe, die am Gürtel befestigt war und das optische Zentrum der Kriegstracht bildete.
Als Symbole der Herrschaft führte der König verschiedene Szepter mit sich. Der klassische Krummstab und die dreisträhnige Geißel galten dabei als mythologische Symbole des Ackerbaus und der Viehzucht. Bei rein religiösen Feierlichkeiten wurde zudem ein mannshoher Stab mitgeführt, der unten in einer zweizinkigen Gabel und oben mit dem markanten Kopf eines Schakals endete. Das Weiheszepter, das sogenannte Pat, war wiederum den Prinzen und höchsten Hofbeamten vorbehalten; hierbei handelte es sich um einen flachen Stab mit einem handlichen Griff, der in verschiedenen Farben wie Weiß oder Grün hergestellt wurde.



Die königlichen Kopfbedeckungen: Hauben und Tücher



Ein ungemein wichtiges und aufgrund seines Schnittes hochinteressantes Kleidungsstück war die ägyptische Haube. Während des Alten und Neuen Reiches blieb sie als Kopfbedeckung in Friedenszeiten ausschließlich den Königen und höchsten Würdenträgern vorbehalten. Im Gegensatz zur Haube des einfachen Volkes zeichnete sie sich dadurch aus, dass sie auch die Ohren schützte. Sie bestand aus kleinen Täfelchen oder Schuppen, die auf einen weichen Stoff aufgenäht waren – auf den historischen Reliefs lässt sich oft nicht zweifelsfrei unterscheiden, ob es sich um feine Maschen oder metallene Schuppen eines Schutzgewebes handelte.



Die Rekonstruktion des gestreiften Kopftuches (Klaft


Eine ganz besondere, sakrale Verhüllung des Hauptes bildete das buntgestreifte Kopftuch, dessen Nutzung streng den Königen und Priestern erlaubt war. Dieses Tuch verhüllte den Kopf und den Nacken bis hinab auf die Schultern und gleicht in seiner Logik der heutigen Coffia der Araber. An einer Schneiderpuppe lässt sich dieses meisterhafte Stück Stoff wie folgt rekonstruieren:
Man benötigt ein weiches, exakt quadratisches Stoffstück mit einer Seitenlänge von ungefähr 90 Zentimetern. Dieses Tuch ist durch farbige Streifen verziert, die exakt in Richtung der Diagonale verlaufen.
Um das Tuch anzulegen, schlägt man es zunächst in Richtung der die Streifen kreuzenden Diagonale zusammen, sodass ein gleichmäßiges Dreieck entsteht. Dieses Dreieck legt man nun so auf den Kopf der Puppe, dass die Mitte der entstandenen Bruchfalte genau auf die Mitte der Stirn trifft.
Um das Tuch in dieser Position zu sichern, legt man ein Band oberhalb der Ohren um den Kopf, welches stramm unter den seitlichen Zipfeln des Tuches verläuft. Nun zieht man die Kanten des Tuches straff nach hinten. Dadurch legen sich die vorderen Seitenzipfel hinter den Ohren so an, dass sie eine dekorative, rundliche Gestalt annehmen und flach nach vorne auf die Brust fallen.
Auf der Rückseite hängt nun der doppelte Zipfel des Tuches nach unten. Diesen hinteren Zipfel dreht man nun fest in sich zusammen. Zum Schluss nimmt man die langen Enden des Stirnbandes, führt sie nach hinten und umwickelt den zusammengedrehten Stoffzipfel damit fest. Es entsteht auf dem Rücken eine markante Wulst, die wie ein starrer Zopf herabhängt und dem Kopfputz seinen königlichen Halt verleiht.


Die Abzeichen der Hofwürden

Besondere Verdienste und Ränge am Hofe wurden durch spezifische Insignien sichtbar gemacht. Ein wichtiges Statussymbol waren die repräsentativen Stöcke und Stäbe, die eine stattliche Länge von fünf bis sechs Fuß (etwa 150 bis 180 Zentimeter) besaßen und oben entweder mit edlen Knöpfen oder elegant gekrümmten Haken versehen waren.
Auch die Gelehrtenklasse hob sich optisch ab: Die Richter, die der Priesterklasse angehörten, trugen als Zeichen ihrer Obhut über die ihnen anvertragte Gerechtigkeit eine stolze Feder auf dem Scheitel; die Schrift- und Rechtsgelehrten kennzeichneten sich durch zwei dieser Federn.
Bildnisse aus der späten 20. Dynastie zeigen uns die Priester schließlich in ihrem vollen, feierlichen Kleiderschmuck. Dieser bestand aus hauchdünnen, eleganten Gewändern, die von kunstvollen Leibschärpen zusammengehalten wurden. Darüber legten sie sich das sakrale Pantherfell um die Schultern – ein historisches Kleidungsstück, das in seiner Würde und Funktion erstaunlich stark an den feierlichen Talar der heutigen Zeit erinnert.

Hinweis zu den historischen Hintergründen: Die Fakten und Literaturquellen zu meinen Beiträgen findest du zentral auf der:
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