Kleidung der Königin im Alten Ägypten – Repräsentation, Status und Bedeutung

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Nina de Garis Davies, CC0, via Wikimedia Commons


Die Tracht der Königinnen und Königskinder


Die Tracht der Königinnen im Alten Ägypten sowie die Kleidung der Königskinder nahmen am Hofe der Pharaonen eine ästhetische Sonderstellung ein. Ihre Gewänder und Insignien spiegelten nicht nur höchsten Luxus wider, sondern transportierten über feine Symbole auch stets ihren dynastischen Rang und ihre Nähe zu den Göttern.


Die Eleganz der Königinnen


Die Gewänder der Königinnen basierten in den frühen Epochen im Grunde auf demselben Hemd-Typus, den auch die Frauen des Volkes trugen. Allerdings wurden die königlichen Gewänder aus Stoffen von erlesener, hauchdünner Qualität und mit einer weitaus großzügigeren Weite gearbeitet, die den Schritten der Herrscherin eine majestätische Aura verlieh. Besaß dieses Kleidungsstück anfangs lediglich breite Tragbänder und verzichtete auf Ärmel, so wandelte sich der Schnitt im Laufe der Jahrhunderte. In der Spätzeit, etwa zur Zeit des Pharaos Psammetich I., hielten fließende Ärmel nach griechischen Mustern Einzug, die in weiten Bahnen bis über die Hände herabfielen.
Im Neuen Reich wurde die Tracht der Königinnen zudem durch einen leichten, eleganten Umschlag ergänzt, der in seiner Logik der Drapierung der königlichen Männergewänder glich. Um die Hüften der Herrscherin wurde dabei eine meist farbenprächtige Binde zweifach geschlungen, deren lange Enden auf der Vorderseite dekorativ herabfielen und die Bewegung des Stoffes unterstrichen.
In ihren Händen führten die Königinnen edle Zepter mit sich: Entweder einen Stab, der an seiner Spitze in einer feinen Lotosblume endete, oder ein sanft umgebogenes Zepter in der Form einer Papyrusdolle. Letzteres erinnerte in seiner Symbolik an die dreisträhnige Geißel des Königs, da es an seinem Ende ebenfalls in drei markante Schmuckstreifen auslief. Führte eine Frau die Regierungsgeschäfte des Landes als alleinige Pharaonin, so legte sie folgerichtig auch die zeremonielle, maskuline Königsbartflechte am Kinn an.


Der königliche Kopfputz und die Geierhaube

Die Darstellung zeig eine Königin mit Geierkappe und Uräus in Kalasiris mit Zeremonialkragen
Faltenreiche Kalasiris mit Ärmeln und gefälteltem zeremoniellem Kragen


Die Pracht der Königinnen zeigte sich besonders in ihrer kunstvollen Haartracht. Ihr sorgfältig gepflegtes Haar oder ihre Perücken wurden von prachtvollen Diademen und Kränzen geschmückt, die sie sich mit den Prinzessinnen teilten. Das absolut exklusive Recht der Königin war jedoch das Tragen der goldenen Geierhaube – einer plastischen Nachbildung des heiligen Vogels, dessen goldene Klauen in kunstvoll verzierten Siegelringen endeten und den Kopf schützend umschlossen.
Alternativ trugen die Königinnen von der 5. bis zur 18. Dynastie eine ornamentierte, zylindrische Mütze mit einem hutförmigen Aufsatz, an dem eine schimmernde Lotusblume angebracht war. Diese Mützen variierten in ihren Formen und waren mal spitz zulaufend, mal breiter ausgearbeitet; allen gemein war jedoch, dass der aufbäumende Uräus als unverzichtbares Schutzzeichen der Macht auf der Stirn thronte oder als funkelndes Endstück an den tief herabhängenden Locken der Königin angebracht war.

Insignien der Königin

Die Königinnen führten eigene Herrschaftszeichen mit sich. Besonders häufig erscheinen sie mit einem Szepter, dessen Spitze als Lotusblüte oder Papyruspflanze gestaltet war. Diese Symbole standen für Fruchtbarkeit, Leben und die Verbindung zum Nil.
Trat eine Königin selbst als Herrscherin auf, konnte sie ähnliche Insignien wie ein Pharao verwenden. In einzelnen Darstellungen erscheint sie sogar mit der königlichen Bartflechte, einem Symbol, das normalerweise den Herrschern vorbehalten war.
Auch die Kinder des Königshauses besaßen eigene Kennzeichen. Prinzen und Prinzessinnen trugen häufig einen Stirnreif, der vom Uräus umwunden wurde. Besonders bekannt ist die sogenannte Jugendlocke, die hinter einem Ohr herabhing und als Symbol der königlichen Jugend galt.
Im Laufe der Zeit wurde diese Locke teilweise durch kostbare Tücher verdeckt oder durch herabhängende Bänder ersetzt. Über diesen trugen die königlichen Kinder häufig ein Diadem, das mit einem dekorativen Schildchen befestigt wurde.
Eine besondere Aufgabe der Prinzen war häufig das Amt des Fächerträgers. Die dabei verwendeten Fächer unterschieden sich deutlich von den großen Zeremonialfächern der Dienerschaft. Sie bestanden meist aus einer einzelnen Feder, die an einem kunstvoll geschnitzten Griff befestigt war.


Die Symbole der Jugend: Prinzen und Prinzessinnen

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by Albert Kretschmer, painters and costumer to the Royal Court Theatre, Berin, and Dr. Carl Rohrbach., Public domain, via Wikimedia Commons


Die jungen Königskinder trugen eigene, hochinteressante Zeichen, die sie im höfischen Zeremoniell sofort als Nachkommen des Pharaos kenntlich machten. Das wohl bekannteste Symbol der Jugend war die sogenannte Jugendlocke oder der Prinzenzopf. Hierbei handelte es sich um eine markante Haarsträhne, die hinter dem rechten Ohr herabhing, während das restliche Haar der Kinder oft modisch geschoren oder extrem kurz gehalten wurde.
Mit dem Älterwerden der Königskinder wandelte sich diese Tradition auf raffinierte Weise: Die Locke wurde zunehmend durch ein kostbares Tuch verdeckt, das auf dem Scheitel mit einem kleinen, runden Metallschildchen befestigt wurde. In späteren Epochen, wie uns Funde aus der 19. Dynastie an fast kahlgeschorenen Prinzenköpfen zeigen, trug man dieses Tuch sogar ganz ohne die natürliche Locke darunter – vermutlich, um das Fehlen des Jugendzopfes im fortgeschrittenen Alter elegant zu kaschieren. Schließlich ersetzte man die Stoffbahn durch eine elegant herabhängende Textilbinde, über der die Prinzen und Prinzessinnen ein Diadem trugen, welches mit dem charakteristischen Rundschildchen am Kopf fixiert wurde. Die ganz kleinen Königskinder schmückte zudem ein zierlicher Stirnreif, der vom Schwanz eines goldenen Uräus spiralförmig umwunden war.
Trotz ihres hohen Ranges war es für die Prinzen am Hofe eine regelmäßige Pflicht, aktiv an den Zeremonien mitzuwirken – allen voran in dem hochangesehenen Amt des königlichen Fächerträgers. Bei den von den Prinzen geführten Fächern handelte es sich jedoch niemals um die monumentalen Prachtfächer, die von den einfachen Dienern bewegt wurden. Die prinzlichen Fächer waren zierliche Kunstwerke: Sie bestanden aus einer einzigen, edlen Feder, die auf einem kunstvoll geschnitzten Griff saß, welcher am oberen Ende in zwei elegant abwärts gebogene Spitzen auslief.


Ein Blick ins Alte Reich: Prinzessin Sedet und Prinz Nereb


Wie weit diese Traditionen der Perücken und des edlen Perlenschmucks zurückreichen, beweist ein spektakulärer archäologischer Fund aus den Grabkammern der Pyramiden von Gizeh. Hier wurde die farbige Darstellung der Prinzessin Sedet und des Prinzen Nereb aus der 4. Dynastie (ca. 2789–2715 v. Chr.) entdeckt, die uns ein klares Bild der höfischen Mode im frühen Alten Reich vermittelt.
Die Prinzessin präsentiert sich auf diesem Bildnis in einer leuchtend roten Tunika. Um ihren Hals liegt ein kontrastreicher, blau-weißer Schmuckkragen, und ihr Haupt wird von einer voluminösen, tiefschwarzen Perücke bedeckt, die sich deutlich von ihrer traditionell beigefarben kolorierten Haut abhebt.
Ihr Bruder, Prinz Nereb, ist als farblicher Gegenpart gestaltet: Seine Haut ist in einem kräftigen Rötlich-Braun gehalten, und er trägt einen makellos weißen Schurz, dessen gefältelter Teil durch eine edle Goldfärbung prachtvoll abgesetzt ist. Auch er trägt die charakteristische schwarze Perücke.
Das Besondere an dieser über viertausend Jahre alten Darstellung ist der kunstfertige Beweis, dass bereits in dieser frühen Epoche des Alten Reiches sowohl Männer als auch Frauen der königlichen Familie wie selbstverständlich aufwendige, mit echten Perlen durchsetzte Schmuckkragen und meisterhaft gearbeitete Perücken als feste Bestandteile ihrer Hoftracht nutzten.

Hinweis zu den historischen Hintergründen: Die Fakten und Literaturquellen zu meinen Beiträgen findest du zentral auf der:
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